85 Jahre Holzbau Kuri  (1924-2009)

1924 bis 1956
82 Jahre Holzbau Kuri, eine stolze Zahl. 3 Generationen verkörpern diese Leistung in einem Beruf, der seit Jahrhunderten zu den angesehensten aller Bauberufe zählt. Waren doch in vielen Jahrhunderten die Zimmermeister die Baumeister von Städten und Dörfern. Sie waren Architekten, Bauingenieure, d.h. Konstrukteure und Ausführende zugleich.

Die zeitlose Schönheit der Bauten und ihre landschaftliche Einbindung zeigen heute die Schwarzwaldhäuser, die Fachwerkhäuser in Städten und Dörfern und auch öffentliche Gebäude wie Rathäuser und Kirchen.

Die Gestaltungskraft, die Risikobereitschaft, ist in keinem Beruf so verankert wie in unserem Beruf, der in seiner äußerlichen Kleidung, der Kluft, Traditionsbewußtsein, Selbstbewußtsein und Modernität vereinigt.

1924 gründete Leo Kuri seinen Zimmereibetrieb. Die Zeiten waren hart. 1923 hatte die Inflation viele um Hab und Gut gebracht. Der Staat, von Reparationen geplagt, die die Siegermächte unserem Volk auferlegten, hatte kein Geld mehr für Investitionen; Handel und Wandel stagnierten. Es war ein großes Wagnis, ein Geschäft zu beginnen. Doch trotz wirtschaftlichen Notstandes war nach wie vor Bauen gefragt, denn zu jeder Zeit wurde gebaut. Doch bei der harten Konkurrenz war Leistung gefragt.

Hier hat sich Leo Kuri durch hervorragende Leistungen vor allem im Treppenbau über die harten Jahre 1924–1934 durchgesetzt. Als Hitler an die Macht kam, gab es einen kurzzeitigen Boom, der bis 1939 andauerte. In dieser Zeit konnte er zwar nicht expandieren, aber seine Firma auch über die Jahre des Krieges hinüberretten. Er war ein angesehener Mann, viele Jahre war er im Gemeinderat und Bürgerausschuss ehrenamtlich tätig.

Während des Krieges gab es eine Arge Schopfheimer Zimmerleute, die aus Leo Kuri, Müller-Baas, Wilhelm Fix, Max Klemm und Eduard Lang bestand. Sie fertigten in der Schopfheimer Reithalle für das Heeresamt Freiburg RAD-Baracken und Feldscheunen. Die Franzosen beschäftigten diese Arge nach dem Krieg bis 1949 mit Holzhäusern, die in der Nähe von Chamonix ihren Platz fanden.

Sohn Arthur war im Krieg ebenfalls tätig bei der Organisation TOTT (heutiges THW), wo Brücken in Rußland und Frankreich gebaut wurden.

Ab 1956
1956 kam dann der 2. Generationenwechsel. Nach erfolgreicher Meisterprüfung trat Arthur Kuri zunächst als Mitinhaber in die Firma ein, um den Betrieb nach dem Tode des Firmengründers am 30. Sept. 1956 ganz zu übernehmen. 1956, das kann ich selbst noch sehr genau verfolgen, war eine schwere Zeit für das Zimmerhandwerk angebrochen. Wir mußten in meinem Betrieb auf einmal 6 Zimmerer entlassen.

Holz war mehr und mehr aus dem Baugeschehen verschwunden, die zerstörten Städte gaben das Stichwort, die sogenannte These „Holz brennt, Holz fault“ war in aller Munde, und das Image der Holzbaracke geradezu ein vernichtendes Urteil für den Baustoff Holz. Da galt es wieder, zu überlegen, sich Nischen zu suchen, der reine Zimmerbetrieb war in Not.

Von 13.500 Betrieben im Jahr 1950 waren Ende der 70er Jahre noch 7.500 in Westdeutschland übrig geblieben.

Das war auch das schwere Erbe von Arthur Kuri, denn es galt, die Zimmerei in Gang zu halten, den guten Namen des Firmengründers zu erneuern. Denn: „Was Du erworben von den Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ galt auch für Arthur Kuri und er fand daneben Zeit für gesellschaftliches Engagement, ein Beispiel, wie zumeist Handwerksunternehmer sich auch der gesellschaftlichen Herausforderung stellen. Er war viele Jahre der Leiter des Technischen Hilfwerks und fand noch Zeit, als Fachlehrer den Lehrlingen praktischen Unterricht an der Gewerbeschule zu geben. Er setzte die Devise seines Vaters „Vor allem Qualität“ fort.

An einen Standortwechsel war zunächst nicht gedacht, für 2 Gesellen und 3 Lehrlinge reichte der Platz aus.

Doch Ende der 60er Jahre begann ein Umdenken in der Architektur. Die Würfel-Architektur mit den Flachdächern lief sich tot, die Schäden an den Bauten, besonders an den Flachdächern, tat ein Weiteres, und so zog der altbewährte Steildachstuhl, seit Jahrhunderten in Mitteleuropa beheimatet, wieder ein.

Mit dem Einzug des Daches kam auch das Umdenken über den Baustoff Holz. Holz, der einzige nachwachsende Baustoff, wurde neu entdeckt und fand Eingang bei Architekten und Ingenieuren. Der Holzhausbau, von wenigen Fertighausfirmen vertreten, fand nun Eingang in die angestammten Zimmereien.

Das Fachwerkhaus fand seine neue Form im Ständerbau, einer Bauart, die den Baustoff Holz als konstruktive gestaltende Form wiederbrachte.

In zeitloser Schönheit hat diese Bauform uns einen exklusiven Baustil wiedergebracht. Der Holzleimbau öffnete neue Chancen im Industrie-, Hallen- und öffentlichen Bau, bei Brücken und Türmen.
(Dritte Generation bis heute)

In diese Zeit hinein fand ein Wechsel der 3. Generation in der Geschichte der Firma statt. Rolf Kuri lernte das Zimmererhandwerk und ging danach einen Schritt weiter als seine Vorväter, er studierte an der FH Karlsruhe und schloss mit dem Diplom in Architektur ab. Seine Heirat mit Dorothea verband nun 2 dynamische Menschen zu mehr als einem Zweckbündnis. Sie erkannten, dass in der Karlstraße keine Zukunft liegt und nur durch Auslagerung ein sinnvolles Arbeiten, auch ein rationelles Arbeiten, die Existenz des Betriebes sichert.

Blenden wir kurz zurück: Bei der Gründung des Betriebes waren die klassischen Zimmererarbeiten noch in der gleichen Art geschehen wie vor 200 Jahren!

Als ich 1946 die Lehre begann, wurde mit Bundsäge, Stemmeisen, Beil und Stoßaxt abgebunden, oft auch noch direkt an der Baustelle. Von Abbundhallen war weit und breit nichts zu sehen. Doch auch in der Zimmerei änderten sich in den 50er Jahren die Produktionsmethoden. Handkreissägen, Bohrmaschinen, Stemmmaschinen, Handhobel eroberten die Abbundplätze, und mit Beginn der 90er Jahre hielten die ersten Abbundzentren Einzug.

Da mit gehobeltem und getrocknetem Holz gearbeitet wurde, war eine Produktion ohne schützendes Dach nicht mehr zu schaffen. Der Holzhausbau erhielt durch die Initiative des BDZ neue Impulse für den Holzrahmenbau, eine Bauart, die von der Timber-Frame-Bauart hergeleitet wurde. In den Staaten Nordamerikas und Skandinaviens wohnen ja 80-90 % in diesen Häusern, ein Signal für das Holzentwicklungsland Deutschland.

Dieses erkannten Rolf und Dorothea Kuri und fassten rechtzeitig den Entschluss, eine großzügige Produktionswerkstatt zu bauen, das Wagnis aufzunehmen. Der Erfolg gab ihnen recht. Aus der kleinen Zimmerei in der Karlstraße wurde ein Unternehmen, das weit über die Grenzen hinaus Klang und Namen hat. 30 Mitarbeiter umfasst heute dieses Unternehmen.

Die neue Wirkungsstätte an der Belchenstraße direkt neben der Gewerbe-Akademie, wo auch Lehrlinge der Bauberuf ausgebildet werden, war auch eine Stätte praktischer Berufsausbildung. 38 Lehrlinge hat Rolf Kuri seit 1983 ausgebildet, wen wundert es, auch viele Innungsbeste fanden sich darunter.

Ja. Ein risikofreudiges und erfolgreiches Unternehmerehepaar darf heute mit Flug und Recht feiern. Die Zeugnisse ihrer Leistung setzen neue Akzente in der Geschichte der Firma. Holzhausbau wurde zum Rückgrat der Firma. Ohne die Investitionen von Bauten und Maschinen wäre es undenkbar, konkurrenzfähig zu sein.

Erfolgreiche Unternehmer sind auch gefragte Leute in der Gesellschaft. Diesem Ruf der Gemeinde Schopfheim ist er gefolgt, eine Aufgabe, die einen Unternehmer schon zeitlich fast überfordert. Dazu seit vielen Jahren die Aufgabe als Obermeister der Innung Lörrach, wo Kollegen auch gleich seine Konkurrenten sind; und nicht zuletzt das Amt des Präsidenten des BZHV, das ich im letzten Jahr nach 24 Jahren gerne der neuen Führung übergeben habe. Ja, und Dorothea, seine Frau, spielt dabei eine Dreifachrolle: Mutter von 3 Kindern, Hausfrau und rechte Hand ihres Mannes.

Ihre Dynamik spiegelt sich in ihrer Persönlichkeit, sie ist als frühere aktive Sportlerin an das Kämpfen gewöhnt. Ihre Tochter, die sie jetzt unterstützt, ist ihr sportlich nachgeeifert im Skisport.

Alles in allem, ein gelungenes Werk, das ihr aufgebaut habt, ohne dessen Hintergrund auch das Ehrenamt Makulatur bliebe, ich weiß, von was ich rede.

Der Badische Zimmerer- und Holzbauverband, dessen Ehrenpräsident ich bin, gratuliert Dir, lieber Rolf, ja, Euch Beiden samt der Familie zu diesem Jubiläum.

Mit unserem dynamischen und engagierten Verbandsdirektor Michael Hafner darf ich Ihnen das Geschenk des Verbandes überreichen mit dem Wunsch, täglich das weiter zu erarbeiten, was das Leben von Euch , uns allen fordert.

Wir wünschen dem Familienunternehmen, dass auch einer der beiden Söhne das große Erbe antreten und in das nächste Jubiläum führen wird.

Herzlichen Dank

Günter Kuhs